Karneval

Straßenkarneval

Straßenkarneval

Karneval (oder Fasching, Fastnacht, Fasenacht) ist eigentlich ein urtümlich christliches Fest. Das lateinische “carne vale!” bedeutet soviel wie “Fleisch, lebe wohl!” und läutete im Mittelalter die vierzigtägige fleischlose Fastenzeit ein. Die Zeit vor dem Sonntag Estomihi, dem dritten Sonntag in der Passionszeit, bis einschließlich Fastnachtdienstag wurde damit bezeichnet. Bevor die eigentliche Fastenzeit begann, wurden im Karneval die letzten Fleischbestände in einem großen Fest vertilgt. Im Wort “Fastnacht” mit all seinen Varianten ist “Fasten” enthalten, ebenso wie sich “Fasching” von “Vaschang” herleitet, dem letzten Ausschank vor der Fastenzeit. Die Obrigkeit und auch die Kirche sahen während der Zeit des Karnevals über manche Provokation hinweg. Wer aber nach Beginn der Fastenzeit, also am Aschermittwoch, gegen die strengen Regeln verstieß, wurde umso härter bestraft. Für die Kirche waren die oft ausartenden Feste mit dem abrupten Ende ein Beweis dafür, dass der Glaube an Gott am Ende siegt. Traditionell wird Karneval daher meistens in katholisch geprägten Gebieten gefeiert, nach der Reformation geriet in vielen reformierten Gegenden der Brauch in Vergessenheit.

Dem Karneval ähnliche Feste gab es aber bereits in frühester vorchrichstlicher Zeit. Bereits von vor über 5.000 Jahren sind erste Spuren auszumachen. In Babylon gab es ein Fest zu Ehren eines Gottes, bei dem die Rollen getauscht wurden: Herren wurden zu Sklaven, Sklaven zu Herren. Dieser Rollentausch ist bis heute ein typisches Merkmal des Karneval; dazu gehören ebenso Verkleidungen und die Verhöhnung der Obrigkeiten. Auch Ägypter, Griechen und Römer hatten ähnliche Festtage, die zeitlich alle in die Zeit vor dem beginnenden Frühjahr fielen. Die Römer feierten ihre Saturnalien in einem öffentlichen Gelage, zu dem jedermann eingeladen war. Für den Zeitraum war Redefreiheit erlaubt, jeder konnte seine Meinung kundtun. Man überschüttete sich mit kleinen Blüten, womöglich stammt unser heutiges Konfetti von diesem Brauch ab. Auch keltisch-germanische Riten zum Vertreiben des Winters mit Lärm haben sich erhalten bzw. sind wieder entdeckt worden.

“Karneval” tauchte als Begriff in Deutschland erstmals im 17. Jahrhundert auf. Während der napoleonischen Zeit geriet er fast in Vergessenheit. Erst ab 1823 gab es wieder einen organisierten Straßenkarneval. Daher rührt auch die Festlegung des Beginns der “fünften Jahreszeit” auf den 11.11. Die Vereine benötigten einfach die Zeit zur Vorbereitung auf den eigentlichen Zeitraum in der Fastnachtswoche ab dem Donnerstag vor dem Aschermittwoch. Auch heute konzentrieren sich die Veranstaltungen auf diesen Zeitraum von wenigen Tagen. Innerhalb dieser kurzen Zeit wird Karneval dafür umso heftiger gefeiert.

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