Karneval in Braunschweig 2010

Karneval in Braunschweig

Der Karneval in Braunschweig hat eine lange Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Damals war der Fastnachtsspaß unter der Bezeichnung „Schoduvel“ bekannt, und dieser Begriff wird auch heute noch für das bunte Treiben in der Okerstadt verwendet. Die fünfte Jahreszeit beginnt wie im Rheinland auch in Braunschweig bereits am 11. November des Vorjahres. An diesem Tag wird der Braunschweiger Karnevalsprinz ernannt und darf den „Prinzensud“ anstechen, ein Bier, das von der Wolters Brauerei speziell für den Karneval in Braunschweig gebraut wird. Dieser Prinz wird von der rheinländischen Karneval-Vereinigung gestellt und formiert sich gemeinsam mit dem Bauern der Karnevalgesellschaft Mascherode und Till Eulenspiegel aus Braunschweig zum sogenannten Dreigestirn Braunschweigs. Außerdem gibt es seit den 1990er Jahren ein Kinderprinzenpaar, mit dem die Jugend von Braunschweig gewürdigt wird.

Der Karnevalsumzug in Braunschweig findet seit vielen Jahren am Sonntag statt, also einen Tag vor Rosenmontag. Er beginnt üblicherweise am Europaplatz und zieht rund vier Stunden lang durch die Straßen der Innenstadt. Politiker werden mit den karikierenden Wagenbildern veräppelt, Kamelle werden verteilt und die Stimmung ist toll. Kein Wunder, denn der Braunschweiger Karnevalsumzug ist mit über 6,5 km der längste Umzug von Norddeutschland. Insgesamt sind über 6000 Aktive dabei, mit rund 50 Musikzügen und Spielmannsgruppen, die sich aus etwa 1.500 Spielleuten zusammensetzen. Im Jahr 2012 kamen rund 150.000 Menschen in die Innenstadt von Braunschweig, um den närrischen Umzug mitzuerleben. Der Karnevalsumzug wird traditionell von einer Elefantenfigur angeführt, die an den ersten Umzug vor über 700 Jahren erinnert, bei dem angeblich ein Zirkuselefant vorausmarschierte. Der originellste Umzugswagen und die hervorragendste Gruppe wird mit dem „Jeckenpott“ ausgezeichnet.

Der typische Karnevalsruf in Braunschweig lautet: „Brunswiek Helau“ und bezieht sich auf den plattdeutschen Namen der Stadt. Mit dem Begriff „Schoduvel“ wird ein alter Brauch aus vorchristlichen Zeiten bezeichnet. Damals wurden böse Dämonen vertrieben, die Kälte, Tod und Gefahr personifizierten. „Duvel“ ist das alte Wort für Teufel, und „scho“ steht für verscheuchen. So wird der Schoduvel als Teufelsfigur mit einer Fratze aus Holz und Filzhut dargestellt, der von Hexen mit einem Besen vertrieben wird. Quasi als Gegenpart zum närrischen Dreigestirn von Prinz, Bauer und Till Eulenspiegel gibt es ein historisches Dreigestirn: Schoduvel, Erbsenbär und Frühling. Der Erbsenbär – ein Bär, umwickelt mit Erbsenstroh – wird von Mägden geführt, und der Frühling wird von einer Frau im geblümten Kleid repräsentiert.