Fastnacht in Mainz

Die Mainzer Fassenacht

Die Mainzer Fassenacht zählt zu den bedeutendsten und traditionsreichsten Karnevalsveranstaltungen des rheinischen Faschings. Die Mainzer Fastnacht zeichnet sich regelmäßig durch ihre besonderen politischen und literarischen Bezüge aus.

Der Fastnachtsbrauch entwickelte sich aus dem christlichen Kalender, nach dem der Beginn der Fastenzeit auf den Aschermittwoch fällt. Zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert wurden Verordnungen erlassen, mit denen ungehemmte Ausschweifungen unterbunden werden sollten. Der in Speyer geborene und in Mainz verstorbene Literat Dietrich Gresemund (1477–1512) berichtet von der Fastnacht in Mainz als einem recht unorganisierten Volksfest, das von Maskeraden, ungezügeltem Trinken und Essen sowie einem rund um die Uhr stattfindenden Tanzvergnügen gekennzeichnet ist. Der Schutz der Maske führte oft zu Auswüchsen und derben Späßen. Der kurfürstliche Hof zu Mainz beging die Fastnacht mit Hoffesten, auf denen verschiedene Rollen im Losverfahren verteilt wurden. Die späteren bürgerlichen Maskenbälle dienten in Mainz auch dem gesellschaftlichen Zusammentreffen.

Im Jahr 1837 fand in Mainz der erste Faschingsumzug unter dem Namen „Krähwinkler Landsturm” statt, an dem auch die später so genannte Mainzer Ranzengarde teilnahm. 1838 wurde der „Mainzer Carneval-Verein“ (MCV), der erste Karnevalsverein in Mainz gegründet. Noch heute organisiert der MCV die alljährlichen Rosenmontagsumzüge, der als „Fastnachtsmontagszug“ erstmals am 26. Februar 1838 durchgeführt wurde.

Einen politischen Hintergrund erhielt die Mainzer Fassenacht in den Jahren vor der Revolution von 1848, als Demokraten in das Festkomitee einzogen. Nach einer kurzen Zeit des Niedergangs nach der 1848er Revolution wurden ab 1855 wieder umfangreiche Karnevalssessionen durchgeführt, die nur während einzelner Kriegsjahre ausfielen. Der erste Karnevalsumzug nach dem zweiten Weltkrieg fand in Mainz im Jahr 1950 statt.

Die Mainzer Fassenacht, deren offizielle Farben rot, blau, weiß und gelb sind, pflegt die Kultur des politischen Büttenvortrages, wenngleich (wie in Köln) auch „Kokolores“-Redner auftreten, die Alltagsbegebenheiten humoristisch aufgreifen.
Zur musikalischen Begleitung der Mainzer Fassenacht gehört der zuerst im Jahr 1840 aufgeführte „Narhallamarsch“, den der österreichische Kapellmeister Lulehner komponiert hatte. Die im Rheinland verbreitete „Weiberfastnacht“ gehört in Mainz erst seit dem Jahr 2006 zum offiziellen Programm. Der Mainzer Schlachtruf „Helau“ wurde im Jahr 1935 aus Düsseldorf übernommen.

Neben dem Mainzer Rosenmontagszug gehören in Mainz verschiedene Fastnachtsumzüge zum Programm. Dazu gehören bereits der Neujahrsumzug am 1. Januar, der Hechtsheimer Umzug am Karnevalsfreitag, Umzüge am Karnevalssamstag in Gonsenheim, Mainz-Kostheim und Mainz-Kastel sowie der ebenfalls am Samstag in der Mainzer Innenstadt durchgeführte Jugendmaskenzug. Der Karnevalssonntag ist den Umzügen in Finthen und Bretzenheim sowie dem Innenstadtumzug der Mainzer Garde vorbehalten. Am Fastnachtsdienstag schließlich findet der „Draaser Umzug“ in Drais, der „Schissmelle-Dienstagszug“ in Mombach sowie die Kappenfahrt im Mainzer Zentrum statt. Allein der Rosenmontagszug in Mainz wird von jährlich etwa 500.000 Menschen besucht.