Der Karneval in Fulda

Die Fölsch Foaset

„Fölsch Foaset“ (Fuldaer Fastnacht) heißt die Karnevalssaison in der Stadt Fulda, die sich zu einer bedeutenden Karnevalshochburg in Osthessen entwickelt hat. Die Fuldaer Foaset wurde erstmals in einer Gerichtsurkunde des Jahres 1508 erwähnt. Über einen unter Maskeraden in Fulda stattfindenden Umzug wurde im Februar 1825 berichtet. Zumindest zwischen 1826 und 1828 gab es karnevalistische Herrscher in Fulda. Für den Winter des Jahres 1880 hält der Fuldaer Chronist Anton Hartmann fest, dass „eine Gesellschaft junger Leute“ sich „zu einem Carnevalverein verbunden“ habe. Zweck des Vereins war die Durchführung humoristischer Abendveranstaltungen während der Wintermonate, um mit den Erlösen größere Maskenumzüge zu finanzieren.

Während des 19. Jahrhunderts wurde die Fastnachtszeit in Fulda aber vor allem in Form von Maskenbällen gefeiert. Allerdings fehlten Geld und Interesse, um die Fastnachtsbräuche dauerhaft fortzusetzen. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gehörte die Fuldaer Foaset zwar noch zum praktizierten Brauchtum, doch traten in der Öffentlichkeit nur Kinder während der Fastnacht in Erscheinung. Daneben fanden nur einige Maskenbälle statt, die durch den Bürgerverein, den Konzertchor Winfridia sowie die Fuldaer Turnerschaft durchgeführt wurden. Der Turnermaskenball war der größte dieser Fastnachtsbälle. Die heutige Fuldaer Foasnet, die während der 1930er Jahre durch eine Stammtischidee initiiert wurde, schließt bewusst an die überlieferten Sitzungs- und Balltraditionen an und fühlt sich auch dem folkloristischen Treiben während der Karnevalstage sowie dem Rosenmontagszug verbunden.

13 Fuldaer Karnevalsvereine führen gemeinsam die Fuldaer Foaset durch. Die führende Rolle nimmt die Fuldaer Karnevalsgesellschaft ein, während die anderen zwölf Vereine die Bezeichnung „Randstaaten“ tragen. Vor dem Fuldaer Rosenmontagszug findet am Fastnachtssonntag ein Kinderumzug statt. Der durch die Innenstadt Fuldas führende Rosenmontagszug, an dem städtische und aus der Region stammende Karnevalsvereine, Fußgruppen, Motivwagen und Kapellen teilnehmen, ist derzeit der größte Umzug in Hessen. Der Rosenmontagszug in Fulda, an dem über 4.000 Teilnehmer und 230 Wagen teilnehmen, wird von mehr als 60.000 Schaulustigen bejubelt.

Der an der Spitze der Foaset in Fulda stehende Prinz wird durch das Prinzenmariechen und zwei Adjutanten unterstützt. Außerdem besitzen alle „Randstaaten“ eine eigene “Fürstlichkeit” oder “Tollität”. Eine Fuldaer Besonderheit besteht darin, dass jeder der Randstaaten über ein meistens auf das jeweilige Heimatstadtviertel zurückgehendes Leitthema verfügt. Im Stadtteil Ostend, dem zu Fasching ein Bahadur oder eine Maharani vorsteht, werden z. B. stets indische Kostümierungen getragen. Dagegen treten die Vertreter des Florengäßner Brunnenzeche e.V. stets in Biedermeierkostümen auf und wählen ein sog. Brunnenpaar. Der als „Türkei“ bekannte Stadtbezirk ist an seiner türkischen Bekleidung und seinem Pascha zu erkennen.

Fulda ist ein Karnevalsort der vielfältigen Schlachtrufe: Während bei der Fuldaer Karnevalsgesellschaft „Föllsch Foll – hinein !“ gerufen wird, heißt es in den Randstaaten „Wolken – Kratzer!“, „Schimmel – Reiter!“, „Good – Bomb!“, „FF – CK!“, „Hallali – Töft Töft!“, „Muske – Tier!“, „Matte – Biddel!“, „Wei – Wei!“, „Udeti – Savita!“, „Zähnt – Knäddl!“, „Uah – Uhh!“, „La-il-la-ha!“ und „Lai – La!“. Hinzu kommen sieben weitere Schlachtrufe aus dem Umland der Stadt Fulda.